Überlebende
DAS LEBEN BEJAHEN
Wenn wir einmal von den frühkindlichen Traumata ausgehen, die meistens ein Leben lang den Betroffenen belasten, dann ist es für viele schon fast eine Kunst zu überleben, denn von Leben kann man oft nur in den Zwischentönen sprechen. Betroffene wissen, trotz vieler alltäglicher Hürden, das das Leben sehr schön sein kann, auch wenn die Beeinträchtigungen einen verfolgen können.
Wer behauptet, das es keine psychische Krankheit (ich würde eher behaupten psychisches Problem bedingt durch den sexuellen Missbrauch) gäbe, lügt. Man kann ein Postraumatisches Syndrom nicht als „Nichts" abtun.Es gibt Menschen die ernsthafte Ängste und Sozialphobien entwickeln oder andere diverse Beschwerden haben, was von der Art und Schwere des Missbrauchs, sowie dem Trauma abhängt. Ich habe jedoch ein Problem damit, wenn man Angst dadurch entwickelt, weil es ein Stigma in der Gesellschaft darstellt und man sich deshalb verstecken muss. Es muss anerkannt werden, das man mit seiner Beeinträchtigung leben kann ohne ausgegrenzt zu werden. Jede Verdrängung dieser Tatsache hilft dem Betroffenen nicht, im Gegenteil verstärkt es seine Angst!
Ich zitiere hier einen Absatz von James Hillmann (Jungsche Psychoanalytiker), aus dem Buch Charakter und Bestimmung, welches ich sehr interessant finde und teile seine Aufassung:
„Ich ziehe es vor, im Pathologischen das Außergewöhnliche zu entdecken, dabei den Begriff „krankhaft" gegen „ungewöhnlich" auszutauschen und das Ungewöhnliche zu dem Maßstab zu machen, an dem unser gewöhnliches Leben gemessen wird. Statt mit Fallgeschichten sollte sich ein Psychologe mit menschlichen Lebensgeschichten befassen; statt mit Biologie mit Biographie; statt westliche Begriffe auf fremde, stammesorientierte und nichtindustrialiserte Kulturen anzuwenden, wollen wir ihre Antrophologie auf die unsere anwenden. Mein ehrgeiziges Ziel ist es, die Denkweise der Psychologie, wie sie gelehrt wird, umzukehren und damit dieses Forschungsgebiet von einigen seiner Sünden reinzuwaschen."