Aktuell

Januar 2010

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung
Die Bundesregierung unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung kontinuierlich zu verbessern.

Bitte bei dem Familienministerium nachlesen

Jedes zweite betroffene Kind ein Missbrauchsopfer

Die Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern musste im vergangenen Jahr 370 Kinder und Jugendliche therapeutisch behandeln.Eine Zunahme von 100 Fällen gegenüber 2007.Die blauen Flecken sind meist schon nach ein paar Tagen verschwunden.Was jedoch bleibt,sind Ängste oder Verhaltensauffälligkeiten,mit denen die Opfer körperlicher Gewalt (manchmal) ein Leben lang zu kämpfen haben. Tagtäglich bekommen die acht Mitarbeiter der Ärztlichen Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern (besser bekannt als Kinderschutzzentrum) die seelischen und körperlichen Folgen zu sehen. Sie wissen daher: „Gewalt an Kindern kommt in allen Bildungsschichten vor.” Sie ausschließlich auf eine sozial schwache Gruppe zu reduzieren,sei zu pauschal,meint die Sozialpädagogin und Leiterin der Beratungsstelle Sandra Adler-Koch. Und räumt ein: „Gewisse Voraussetzungen wie Armut oder beengte Wohnverhältnisse können durchaus ein Türöffner für Gewalt sein.” Jüngst wurden die Zahlen für 2008 veröffentlicht: 370 Kinder und Jugendliche wurden von den Mitarbeitern der Einrichtung therapeutisch behandelt und begleitet.Das sei eine Zunahme von genau 100 „Fällen” zum Vorjahr. Tendenz steigend,wie die aktuellen Zahlen für das laufende Jahr zeigen.Außerdem erschreckend:Bei 48 Prozent aller Geschädigten handelt es sich um Opfer sexueller Gewalt. Und die - so die Beobachtung - häufig erst einmal schweigen,bevor sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: „Trotz intakter Familiensituation erzählen Kinder nicht immer alles zuhause,weil sie ihre Eltern nicht belasten wollen”, sagt Psychologin Christine Koslowski.An dieser Stelle setze die therapeutische Arbeit der Einrichtung an: „Unsere Aufgabe besteht darin,Kindern einen geschützten Raum zu geben,in dem sie sich mit ihren Sorgen und Nöten anvertrauen können.” Aber auch die Eltern und andere Angehörige werden in das Beratungsangebot des Kinderschutzzentrums mit einbezogen,da sie ebenfalls Betroffene sind.Doch was tun,wenn der Missbrauch in der eigenen Familie stattfindet und noch immer Gefahr besteht? „Da,wo es zum Wohl des Kindes notwendig ist,greifen wir ein und versuchen zu vermitteln”, sagt Sandra Adler-Koch.Doch das sei eher die Ausnahme,denn grundsätzlich gelte das Motto Hilfe statt Strafe: „Wir gehen schließlich davon aus,dass Eltern ihre Kinder lieben und ihnen nicht schaden wollen.”

Der Westen, Dortmund, 26.05.2009, Mirja Zipfel