Persönliche Berichte
Ich habe mich entschlossen hier gezielter richtungsweisende Fragen zu stellen und hoffe auf Ihre/Eure ausführlichen Antworten. Betroffene können natürlich auch Ihre eigenen Erfahrungen ohne Beantwortung der Fragen schreiben. Selbstverständlich auch anonym. Lieben Dank!
1. Wieviele Mediziner haben Sie bis heute aufgesucht?
2. In wievielen Behandlungen, ambulant und stationär waren Sie?
3. Welchen Eindruck hatten Sie von Ihren Behandlungen?
4. Welche Krankenkasse hat ihre Therapie bezahlt oder die Kosten verweigert?
5. Wieviele Anträge haben Sie gestellt? Hatten Sie dabei Hilfe bekommen?
6. Wielange hat es ingesamt gedauert bis Ihr Antrag bearbeitet wurde?
7. Mussten Sie Widerspruch oder Klage einreichen und wie oft bis jetzt?
8. Wielange mussten Sie auf einen Traumatherapieplatz warten?
9. Haben Sie Retraumatisierungen erlebt?
10. Ihre Erfahrungen in Behandlungen insgesamt!
Hallo Christina
ich kenne
Ihre Homepage schon eine ganze Weile und möchte mich dennoch nun einmal trauen
auch etwas zu schreiben. Ich möchte gern die Fragen beantworten.
1. Wieviele Mediziner haben Sie bis heute aufgesucht?
Ich bin mittlerweile 28 Jahre alt und bin seid meinem 12. Lebensjahr in Behandlung bei Psychotherapeutinnen. Ich habe 4 stationäre Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken absolviert, die aber ohne Erfolg waren. Zumindest nicht der Erfolg den ich mir gewünscht hätte, denn verstanden hatte mich niemand und das war sehr furchtbar. Ambulante Versuche und Probestunden hatte ich bei ca. 10 verschiedenen Therapeuten, auch welche die bis zu 200 km entfernt waren, da es in meiner Umgebung keine Traumatherapeuten gibt. Per Email habe ich mit 35 Therapeuten Kontakt aufgenommen, ich erhielt 5 Antworten zurück, davon eine Positive die mich jetzt seid einem halben Jahr behandelt und mit der ich sehr gut bisher zurecht komme.
Auch zu Allgemeinmedizinern, Orthopäden, Neurologen, Psychiatern hatte ich Kontakt aufgenommen wegen schlimmer Schmerzen doch es wurde nichts erkannt, ich wurde als „verrückt“ abgestempelt. In eine Psychiatrie wurde ich oft eingewiesen, ich habe keine Erinnerung wie oft dies war, aber es war oft, und nur weil ich mit diesen Ärzten nicht reden konnte und somit als psychisch total gestört hingestellt wurde. Ich wurde fixiert, weil ich nicht redete, aggressives Verhalten zeigte ich nie.
2. In wievielen Behandlungen, ambulant und stationär waren Sie?
4 stationäre Behandlungen habe ich gemacht, immer für 6 Monate aber immer wieder wurde ich entlassen oder ging von selbst wieder, weil ich als unmotiviert galt, weil ich nichts redete. Ambulante Versuche machte ich enorm viele (siehe oben). Zählen die Psychiatrieaufenthalte auch? Wenn ja, dann kann ich dazu keine Angaben machen.
3. Welchen Eindruck hatten Sie von Ihren Behandlungen?
In meiner Behandlungszeit war ich stark magersüchtig, ich lag 2mal auf der Intensivstation und es war sehr kritisch. Es wurde das Hauptaugenmaß auf die Magersucht gelegt, so dass ich wieder zu Kräften kam. Ich verschwieg in den anderen Therapien die Essstörung, da ich mich wieder stabilsiert hatte, aber ernst genommen, wenn ich von mehreren in mir sprach wurde ich nicht. Es war aber offensichtlich dass ich andauernd nicht zuhörte und woanders war, aber da bekam ich großen Ärger und war sozusagen nicht motiviert.
Bei meiner jetzigen ambulantenTherapeutin ist dies anders, sie sieht mich und was ich auch ohne Worte sagen möchte, das ist ein sehr schönes Gefühl, denn ich hatte keine Hoffnung mehr.
4. Welche Krankenkasse hat ihre Therapie bezahlt oder die Kosten verweigert?
Ich bin bei der BKK. Es war immer ein langer Kampf die Therapiekosten bewilligt zu bekommen und auch jetzt hat meine Therapeutin gekämpft, weil sie eben auch weiter weg ist als in meinem Wohnort und weil ich eben immer wieder Versuche hatte mit denen ich nicht zurecht gekommen bin und sie auch nicht mit mir, bei sehr vielen Therapeuten. Das wurde als Abbruch gewertet auch wenn es innerhalb der 5 Probestunden war.
5. Wieviele Anträge haben Sie gestellt? Hatten Sie dabei Hilfe bekommen?
Meine jetzige Therapeutin ist 2mal in Widerspruch gegangen, ich selbst hätte aufgegeben, ich habe keine Kraft mehr mittlerweile mit den Behörden zu kämpfen.
6. Wielange hat es ingesamt gedauert bis Ihr Antrag bearbeitet wurde?
Ein halbes Jahr hat es gedauert bis ich regelmäßig zur Therapie gehen konnte und durfte.
7. Mussten Sie Widerspruch oder Klage einreichen und wie oft bis jetzt?
Ja, das tat meine Therapeutin, da bin ich ihr sehr zu Dank verpflichtet.
8. Wielange mussten Sie auf einen Traumatherapieplatz warten?
Ich weiß nicht wie diese Frage gemeint ist, ich suche schon seid vielen Jahren einen ambulanten Therapieplatz ohne Erfolg, doch als sich dann die o.g. Therapeutin gemeldet hatte, bekam ich trotz ellenlanger Warteliste sofort einen Termin, ich weiß bis heute nicht wieso, aber ich war und bin ihr sehr sehr dankbar.
9. Haben Sie Retraumatisierungen erlebt?
Sehr sehr viel Retraumatisierungen hab ich erlebt, ich musste sehr oft etwas machen was ich nicht wollte, was aber verlangt wurde. Ich habe sehr schlimme Erfahrungen in den Kliniken machen müssen und deshalb würde ich nie wieder in eine Klinik gehen, nie nie nie wieder, egal ob sie gute Resonanzen hat oder eher nicht.
10. Ihre Erfahrungen in Behandlungen insgesamt!
Ich würde mir viel mehr Hilfe wünschen. Ich habe eine Stunde in der Woche, manchmal auch alle 2 Wochen nur eine Therapiestunde, weil ich es nicht schaffe und sehr erschöpft bin. Aber ich würde mir Hilfe wünschen von Selbsthilfegruppen, diese gibt es hier, trotz Großstadt nicht, oder von Gruppengesprächen, von Menschen die sich zusammen tun um zu helfen. Es gibt soviel, die Krankenkasse müsste viel mehr Stunden bewilligen, ich weiß nicht wie ich die Zeit, wenn meine Stunden ausgeschöpft sind, überstehen werde und ob es dann noch eine Verlängerung geben würde, selbst finanzieren kann ich es leider nicht, ich bin erwerbsunfähig seid 2 Jahren. Ich möchte mich mit Menschen treffen die sich auskennen, ich habe keine Freunde, bin viel im Internet in verschiedenen Foren unterwegs, das hilft mir sehr, aber von außen kommt so gut wie garnichts.
Wenn sich diese Frau nicht auf meine Email gemeldet hätte, wüsste ich nicht was heute mit mir wäre. Dafür danke ich ihr so sehr, dass ich weinen muss.
Ich danke Ihnen für Ihre schöne Homepage und die Aufklärung die Sie damit leisten, das hilft mir sehr, denn ich habe lange geschwiegen und schweige teilweise immer noch.
Sie machen Mut, ganz lieben Dank.
Herzlich liebe Grüße
MandyBitte anklicken
http://traumaaufruf.blogspot.com
Das ist keine wissenschaftliche Erhebung, wovon ich Abstand nehme, es geht hierbei um existenzielle Darstellungen, um die Sorgen und Nöte der Betroffenen und um die Tatsache, das einfach zu wenig konkrete Hilfe geleistet wird. Dafür braucht es keine statistischen Erhebungen, denn hier zählt jede/r einzelne Mensch! Man bedenke die Dunkelziffer bei sexuellem Missbrauch, die auf etwa 80.000- 300.000 Jahr jährlich geschätzt wird und den prozentual wenig angezeigten Fällen. Ähnlich gelagert sehe ich dies bei den Menschen an, die keine adäquate Hilfe erhalten. Die Dunkelziffer der Patienten, die entweder die Therapie abgebrochen oder erst gar keine begonnen haben, oder aber seit Jahren Therapien wiederholen, dürfte enorm hoch sein. Selbst wenn diese Daten erfasst und wissenschaftlich ausgewertet würden, gäbe es keine valide Gesamterfassung.