Definition


Der Begriff Trauma stammt aus dem griechischen und heißt übersetzt 

                                                                      "WUNDE"

Ein Trauma kann direkt oder Jahre später nach sexuellem Missbrauch eintreten. Auf meiner Seite geht es um das Thema dieser Gewalttaten. Das Trauma stellt eine außerordentliche Bedrohung in Bezug auf die seelische, geistige und körperliche Verfassung da und geht bei den Betroffenen mit großer Ohnmacht und Schrecken einher. Es kommt dann zu einem physiologischen und psychologischen Ungleichgewicht. Das Trauma kann oft nicht alleine bewältigt werden. Durch erneute Traumen kann eine Betroffener das Vertrauen, auch in medizinischen und therapeutischen Behandlungen, gänzlich verlieren.

Die Häufigkeit von PTBS ist abhängig von der Art des Traumas ca. 50% Prävalenz nach Vergewaltigung ca. 25% Prävalenz nach anderen Gewaltverbrechen

Ursachen ICD-10

Sonstige und nicht näher bezeichnete Schäden durch äußere Ursachen

T74 -  Missbrauch von Personen
T74.0 Vernachlässigen oder Im Stichlassen
T74.1 Körperlicher Missbrauch
T74.2 Sexueller Missbrauch
T74.3 Psychischer Missbrauch
T74.8 Sonstige Formen des Missbrauchs von Personen
T74.9 Missbrauch von Personen,nicht näher bezeichnet

Einleitung

F 43.0 Akute Belastungsreaktion 
F 43.1 Posttraumatische Belastungsstörung 
F 43.2 Anpassungsstörung (F 43.2)
PTBS Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
F62.-  Andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns
F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
F62.8 Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen
F62.9 Andauernde Persönlichkeitsänderung,nicht näher bezeichnet zu

Akute Belastungsreaktion

Eine Belastungsstörung, die in der Regel nicht länger als wenige Stunden bis Tage an, manchmal auch bis zu drei Wochen anhält. Hält diese Störung länger als vier Wochen bis zum Teil sechs Monate an, kann man von einer posttraumatischen Belastungsstörung sprechen. Diese akute Belastung hat zunächst keinen Krankheitswert, sondern ist eine normale Reaktion der menschlichen Psyche auf eine außergewöhnliche Erfahrung. Hier ist eine akute Behandlung, wie in Traumaambulanzen oder Krisenstationen notwendig, um spätere Folgestörungen zu verhindern.

Symptome

Betäubung, Bewusstseinseinengung, Desorientiertheit, Dissoziation, Angst, Verzweiflung, Trauer, Herzrasen, Übelkeit, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Konzentrationsmagel, andere 

In einem stabilen Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte, Vereine etc.), gibt es viele Betroffene die allein dieses Trauma bewältigen, fehlt dieses Umfeld, dann kann man davon ausgehen, das bei ungünstigen Bedingungen, diese Bewältigung ausbleibt. Bei mir war es in der ersten Zeit so (akuter Zustand), das ich mir selbst geholfen habe und das stabile Umfeld gegeben war. Ich hatte jedoch keine qualifizierten Traumaexperten an der Seite, konnte es aber dennoch schaffen zum Teil das Trauma zu verarbeiten.

Posttraumatische Belastungsstörung

Bei einem chronischen Trauma treten die Symptome länger als vier Wochen bis zu sechs Monaten auf und können dann bei 40-50% der Betroffenen zu einer weiteren Chronifizierung führen!

Symptome

Eine chronische posttraumatische Belastungsstörung ist bei dem plötzlichen Ausbruch des Traumas nach vielen Jahren zunächst wie ein akuter Zustand, so wie es auch bei mir der Fall war. Das heißt, das selbst lange chronische Traumen bei Ausbruch des Traumas wie ein aktuter Zustand einwirken.

1.Wiedererleben

Ein häufiges Symptom von Betroffenen ist das Wiedererleben des Traumas, oft anhand von Teilen, die an das Trauma erinnern. Das Ereignis wird im wachen als auch im schlafenden Zustand erinnert, z.B. in Form von belastenden Albträumen. Dazu gehören auch oft Depressionen und Flashbacks. Ein Flashback ist das Wiedererleben (bildhaftes Wiedererinnern) früherer Gefühlszustände, wofür ein Auslöser sorgt (Trigger), wie z.B. bestimmte Gerüche, Bilder von Orten und Personen, Fotos, Erinnerungen an Lieder etc.). Diese Gefühle spielen hierbei eine große Rolle und können den Betroffenen stark einschränken. Bei einer dissoziativen Störung (abspalten von Gefühlen) liegt häufig eine Amnesie oder Teilamnesie vor (fehlende Erinnerungen an das Ereignis oder einen wichtigen Aspekt an das Trauma) vor.

Hierzu siehe auch unter dem Menüpunkt „Ablauf im Gehirn"

2.Übererregbarkeit

Ein Symptom ist eine erhöhte Übererregbarkeit des Betroffenen, welche oft mit Reizbarkeit einhergeht. Auch Symptome wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und eine übertriebene Schreckhaftigkeit/Wachsamkeit gehören oft zu einer PTBS. Hier können auch somatische Beschwerden wie Hyperventilation, Schmerzen, Herzrasen, Panikattacken, Beklemmungen, Unruhe und Kraftlosigkeit, sowie Leistungsversagen eintreten.Viele Frauen leiden auch unter chronischen Unterleibschmerzen. Es kann zu einer völligen Abspaltung (Dissoziation) der Gefühle und Erinnerungen kommen (Amnesie).

3.Vermeidung

Betroffene versuchen alles was mit dem Thema Trauma in Verbindung steht zu vermeiden. Sie leiden häufig unter emotionalen Auffälligkeiten wie Interessenlosigkeit alltäglicher Aktivitäten und zeigen Gefühle der Entfremdung. Eine soziale Isolation ist dann oft die Folge, sowie oft der Missbrauch von Drogen, wie Alkohol und Medikamente. Das Trauma kann Beeinträchtigungen und Belastungen in wichtigen Lebensbereichen dauerhaft hervorrufen!

Anpassungsstörungen

Anpassungsstörungen gehen einher mit leichten oder schweren Episoden von Depressionen und Ängsten. Diese Störungen können langfristig andauern. Die Patienten haben oft das Gefühl einer inneren Leere und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück.

Unterschieden werden bei der Anpassungsstörung nach ICD-10 folgende Varianten:

F 43.20 kurze depressive Reaktion 
F 43.21 verlängerte depressive Reaktion 
F 43.22 Angst und depressive Reaktion, gemischt 
F 43.23 mit vorwiegender Störung anderer Gefühle (Hilflosigkeit, Aggresivität, depressive Stimmungslage, Teilnahmslosigkeit)
F 43.24 mit vorwiegender Störung des Sozialverhaltens (
Reizbarkeit, Außenseiter,
aggressives Verhalten, Unbeherrschtheit, Introvertiertheit)
F 43.25 mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
 

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS)

Der Begriff Komplexe PTBS (engl. Complex PTSD) wurde für dieses Krankheitsbild erst 1992 durch Judith Herman eingeführt.

Es wird ein Krankheitsbild bezeichnet, das sich infolge schwerer, anhaltender Traumatisierungen bildet, was entweder direkt nach einem Trauma oder mit deutlich zeitlicher Verzögerung auftritt. Beeinträchtigungen liegen hierbei in kognitiven, affektiven und psychosozialen Bereichen vor.

Symptome

Depressionen, Selbstwertmangel, destruktives Verhalten, somatische Erkrankungen, chronische Dissoziation, Angtszustände, andere

Die Persönlichkeitsveränderung muß andauernd sein (länger als über zwei Jahre) und darf nicht auf vorher bestehende Persönlichkeitsstörungen beruhen, ausser der posttraumatischen Belastungsstörung. Sie äußert sich in einem unangepassten Verhalten in sozialen Bereichen, was zu einer erheblichen Einschränkung und Belastung führen kann. Überschneidungen mit anderen Krankheitsbildern müssen differentialdiagnostisch abgeklärt werden, wie etwa die Boderlinepersönlichkeitsstörung oder die dissoziativen Störungen, aber auch Depressionen und Phobien.

Traumaforscher/Experten wie Judith Hermann oder Michaela Huber ordnen Borderline der komplexen PTBS zu.

Diagnostik und Differentialdiagnostik von Traumatisierungen und reaktiven psychische Störungen

Klinische Typen

Klinisch kann man die Patienten mit einer PTBS je nach zusätzlicher Symptomatik in verschiedene Typen einteilen, die hier kurz aufgelistet werden sollen

1. Depressiver Typ (PTBS -Symptome + Selbstwertverlust, psychomotorische Hemmung, sozialer Rückzug, Antriebsverlust, Interesselosigkeit, Schuldgefühle („Überlebensschuld")

2. Dissozialer Typ (Flashbacks, Pseudohalluzinationen, Fuguezustände, Depersonalisation/Derealisation, dissoziative Identitätsstörung, Amnesie)

3. Somatoformer Typ (Chronischer Schmerz, z.B. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Fibromyalgie ohne somatische Erklärung, evt. zusätzlich vegetative Beschwerden und chronische Müdigkeit)

4. Psychoseähnlicher Typ (meist kurze, in der Intensität stark wechselnde psychosenahe Verhaltens- und Verarbeitungsweisen, paranoide Reaktionen, Abulie, Ratlosigkeit, Regression)

5. Organomorpher Typ (Erhebliche kognitive Defizite mit Verminderung von Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, amnestische Störungen,Verwirrtheit)

6. Neuroseähnlicher Typ (PTBS -Kernsymptomatik + Ängste, Panikattacken, Phobien oder Zwangssyndrome)

Diagnostik

Impact of Events Scale (IES) von Horozitz et al (1979)
PTSD Symptom Scale-Self Report (PSS-SR) von Foa et al 1993
Posttraumatic Stress Syndrome-10 Questions Inventury (PTSS-10) von Weisaeth 1993
Strukturiertes Klinisches Interview nach DSM IV (SCID); dt. Version:

Mehr darüber finden Sie unter www.prometheus-trauma.de

Verlauf

Die Verlaufsdynamik der PTBS ist aufgrund ihrer komplexen Psychopathologie sehr variantenreich. Es gibt vielfach spontane Remissionen (Rückbildungen), aber auch prolongierte, chronifizierende und invalidisierende Verläufe. Die möglichen Folgen einer Traumatisierung sind also recht vielgestaltig. Bei ca. einem Drittel der PTBS- Patienten findet sich ein chronischer Verlauf mit einer mittleren Remissionszeit von 3 Jahren (behandelt), bis 5 Jahren (unbehandelt). 15-25% der Patienten bleibt dauerhaft krank. Langzeiteffekte der PTBS sind neben den erwähnten Folgestörungen Dissoziationen (hier Amnesie), Somatisierungen, ausgeprägtes
Misstrauen, Mangel an Verantwortungsgefühl, Identitätsdiffusion, eine tiefgreifende Beziehungsstörung bzw. Neigung zu extremen Bindungsformen (z.B. Hörigkeitsverhältnisse, sadomasochistische Beziehungsmuster mit Täter-Opfer-Konstellationen etc.) oder Kontaktscheu.

EinBlick ins Gehirn von Dieter F. Braus

Moderne Bildgebung in der Psychiatrie

„Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) gilt nach DSM-IV und ICD-10 als eine 'funktionelle' psychische Störung. Sie ist charakterisiert durch ein nach einem traumatischen Lebensereignis auftretendes Hyperarousal, intrusives Wiedererleben, Vermeidungsverhalten und eine Beeinträchtigung im Alltag. Die Lebenszeitprävalenz beträgt bei Männern 5-6% und bei Frauen 10-14%. Ende des 19. Jahrhunderts begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Erkrankung u.a. durch Jean-Martin Charcot (1825-1893) und Sigmund Freud (1856-1939). Das damalige Erklärungsmodell legte intrapsychische, vor allem 'hysterische' Vorgänge zugrunde. Erst ab den 70er-Jahren wurden neurobiologisch orientierte pathogenetische Modelle erwogen.

Um die biologische Basis der PTBS zu erforschen, wurden zuerst die Auswirkungen des mit dem traumatischen Erleben verbundenen Stresses auf hormonale, immunologische und physiologische Parameter untersucht. Erwartungsgemäß zeigten sich dabei in Tiermodellen Kortisol und Katecholamine erhöht. Im Gegensatz zur rezidivierenden depressiven Störung wurde jedoch bei Patienten mit PTBS der Kortisolspiegel in vielen Studien reduziert gefunden. Bei erhöhtem zentralen CRH, was zusammen mit einer vermehrten Hemmung der Kortisolausschüttung auf Dexamethason hin eher auf einen besonders sensitiven Feedback- Mechanismus innerhalb der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse hindeutet. Zudem existieren Hinweise, dass bei PTBS biologische Dysregulationen im Opioid-, glutamatergen, noradrenergen, serotonergen und neuroendokrinen System vorliegen. Auch Immunparameter wie Interleukine und Leukozyten waren verändert.

In der Gesamtschau der vorliegenden Ergebnisse aus der Bildgebung (Jatzko et al.. 2004) finden sich bei PTBS in erster Linie Störungen auf funktioneller, metabolischer und/oder struktureller Ebene im Emotions- und Aufmerksamkeitsnetzwerk, wobei im Vergleich mit Gesunden vor allem Veränderungen von Amygdala, Hippocampus und medialen präfrontalen Arealen zu nennen sind. Weniger konsistent finden sich außerdem Aufälligkeiten parietal, im Thalamus, in der Insel sowie in der Broca-Region.

Verminderte Inhibitionsprozesse auf die Amygdalae mit veränderten emotionalen Verarbeitungs- und Aufmerksamkeitsprozessen sowie eine Dissoziation in der Funktion von Hippocampus, Amygdala und fronto-parietalen Hirnregionen spielen die größte Rolle (Hull, 2002)."
Im letzten, zusammenfassenden Kapitel erhalten die bildgebenden Erhebungsmethoden ihren Standort im allgemeinen Kontext der psychiatrischen Diagnostik:

„Moderne Psychiatrie unter diagnostischem Aspekt ist ein Gebäude aus zahlreichen Bausteinen: Die Kenntnis des soziokulturellen Hintergrunds und das Krankheitsmodell des Patienten sind das Fundament der psychiatrischen Intervention, denn nur in diesem Kontext lassen sich die Symptome einordnen. Die differenzierte Anamnese mit frühkindlicher Entwicklung und psychosozialem Umfeld des Patienten bildet das Erdgeschoss. Darauf bauen die klinisch-neurologische Untersuchung, der sorgfältig erhobene psychopathologische Befund und die differenzierte neuropsychologische Untersuchung auf.

Die psychopathologischen Begriffe sollen dort, wo operationalisierte Definitionen vorliegen (z. B. AMDP-System), in der Kommunikation zwischen Ärzten in dieser Form verwendet werden. Alle genannten Befunde inklusive Labordiagnostik, DNA-Chips zur Charakterisierung von Vulnerabilitätsfaktoren und die Elektrophysiologie dienen dazu, den einzelnen Patienten besser zu charakterisieren, um die Standarddiagnostik und -therapien zu einer maßgeschneiderten zu machen. Die Ergebnisse der Bildgebung sind nur im Zusammenspiel mit allen diesen Informationen wirklich nutzbar. Es handelt sich um Bilder, nicht um Fotos des Geistes, die Einblick geben."

Literaturangaben


Bessel A. van der Kolk, Alexander C. McFarlane, Lars Weisaeth (2000): Traumatic Stress. Paderborn

Fischer, G (2000). Mehrdimensionale Psychodynamische Traumatherapie (Mptt). Manual zur Behandlung psychotraumatischer Störungen. Heidelberg.

Fischer, G ( 2003): Neue Wege aus dem Trauma. Düsseldorf. Patmos

Herman, JL ( 1993): Die Narben der Gewalt. München: Kindler

A. Maercker (1997): Therapie der  posttraumatischen Belastungsstörungen. Dresden

Reddemann, L (2001). Imagination als Heilkraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren. Klett-Cotta